VEREINSLEBEN Im Franziskushof werden ausgesetzte
und misshandelte Affen, Hunde und Katzen liebevoll betreut.
Neues Außengehege gebaut aus "Kalletaler Zeitung"
vom 01. März 2002
Echternhagen
• „Wir sind da einfach so reingerutscht“,
sagt Susanne Häger und krault liebevoll das schwarze
Wollknäuel auf ihrem Schoss. Spitz Amadeus räkelt
sich und bellt eifersüchtig jeden anderen Hund an, der
sich seinem Frauchen nähert.
Susanne Häger und Marianne Danyluk führen kein all
tägliches Leben. Besucher, die am rustikalen Haus in
Echternhagen klingeln, werden gleich mit einem lauten Gebell
begrüßt, ein Rudel Hunde stürzt ans Tor.
Die beiden Tierfreundinnen widmen sich ausgesetzten, gequälten,
kranken und behinderten Hunden, Katzen und Affen. Im Inneren
der umgebauten Scheune, liegen kranke Hunde in Kinderbetten
und räkeln sich auf der Coach. Unzählige Katzen
spielen draußen in Gehegen, Affen schaukeln gemütlich
in ihrem Territorium; Außer ihnen laufen alle Tiere
frei in Haus und Garten herum.
„Wir beiden haben im pflegerischen Bereich in Lemgo
gearbeitet“, erzählt Susanne Häger. Schon
vor vielen Jahren hatten die beiden. Frauen einen Hang
für viele Tiere. „Als die Leute spitz gekriegt
haben, dass wir Tiere aufnehmen, haben sie ihre Vierbeiner
kistenweise vor unsere Haustür gestellt“ blickt
Susanne Häger zurück. Als die Wohnung schließlich
aus allen Nähten platzte, zogen die beiden Frauen in
das große Haus in Echternhagen. 1990 gründeten
sie den Tierschutzverein „Franziskushof“. „Die
Kosten für Futter und Pflege fraßen uns damals
auf. Wir mussten dringend die Finanzierung auf eine größere
Basis stellen“, erläutert Marianne Danyluk.
Derzeit kümmern sie sich um 80 Katzen, 30 Hunde und
zehn Affen, die sie an geeignete Familien vermitteln.
Pro Jahr finden 200 Hunde und 150 Katzen, davon sind ein Drittel
behindert, ein neues Zuhause.
Oft werden Susanne Häger und Marianne Danyluk mit schrecklichen
Schicksalen konfrontiert. „Chico, ein 13-jähriger
Pekinese ist auf einem Auge blind und hat neun Implantate.
Er ist aus dem zweiten Stock gefallen“, sagt Marianne
Danyluk und blickt zum Kinderbettchen gegenüber, wo ihr
Liebling friedlich seinen Mittagsschlaf hält.
Für das Wohl der Schützlinge sorgten fünf
Angestellte, und 15 ehrenamtliche Helfer, die für den
Verein arbeiten. Für Susanne Häger und Marianne
Danyluk beginnt der 24-Stunden-Job morgens um acht Uhr. Die
Tiere werden gefüttert und versorgt. Danach wird das
Haus gründlich geputzt. Am Nachmittag erledigen die beiden
Tierliebhaberinnen die Büroarbeit. Denn jeder, der sein
Tier im Tierheim lässt, muss einen Abgabevertrag unterschreiben.
Auf diese Weise wollen die beiden Frauen die Herkunft des
Tieres sicher stellen. Tiere aus dem Ausland betreuen sie
nicht. „Jedes Tier ist bei uns gekennzeichnet, kastriert
und natürlich geimpft“, betonen die beiden Frauen,
die jede Menge Unterstützung bekommen. 700 Mitglieder
und 5600 Spender gehören dem bundesweit bekannten Verein,
dazu kommen 300 Tierpaten.
Mit Hilfe von Spenden renovierte der Verein kürzlich
die Katzenabteilung mit 25.000 Mark, und baute ein neues Affengehege
(50.000 Mark).
Wert legen die Tierschützerinnen auf regelmäßige
Fortbildungen, die der Deutsche Tierschutzbund anbietet. Susanne
Häger eignete sich z.B. Massagetechniken an, die bei
aggressiven Tieren angewendet werden.
Auch mit Tierheimen im Ausland arbeitet der Franziskushof
zusammen und sponsert Medikamente und Futter. In Polen
wurde ein Welpenhaus gebaut. Auch arme Kinder werden unterstützt.
Zeit für Urlaub bleibt kaum. „Im vergangenen Jahr
sind wir für ein paar Tage nach Polen gefahren. Da sind
unsere Helfer eingesprungen“, sagt Susanne Häger.
Aber die Frauen bedauern ihre wenige Freizeit nicht. Ein Blick
in treue Tieraugen entschädigt sie für all ihre
Mühen. • ela